Was hätte G'tt dazu gesagt?
Nicht nur David und Jonathan


Bereits in den Tagen des Sefer Bereschit (Genesis, Erstes B.M.) und während der ganzen Epoche des TaNaKh (Heilige Schrift, hebräische Bibel) kommen Schwule, Lesben und sämtliche andere vor, die nicht mit dem Vermehrungsgebot zurecht kamen.
Ariel Kahan gibt hier einen Überblick über sämtliche Fälle – seien sie nun auffälliger oder harmloser – und verleiht jedem Originaltext seine eigene, Queer-Theory Interpretation.

In einer Zeit, in der Homosexualität nur als "männlicher Beischlaf" definiert wurde, waren schwule Männer immer auf der bösen Seite. Und Lesben? Wer traute sich denn, so etwas zu erwähnen?

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"Und bei einem Mann liege nicht wie bei einer Frau. Das ist ein Greuel". (Lev. 18.22)

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"Und ein Mann der einen Mann beschläft, wie man bei der Frau liegt, ein Greuel haben sie getan, beide. Des Todes sollen sie sterben, ihr Blut über sie". (Lev. 20.13)

Im jüdischen Glauben herrscht die Ansicht vor, es sei eine Bereicherung, dass der TaNaKh von mehreren Redaktoren zusammengesetzt worden sei, von Moshe Rabenu (Moses) bis zu denjenigen der großen Versammlung (???? ????? ??????). Aus einer schwulen oder lesbischen Perspektive ändert dies jedoch nichts an der Tatsache, dass die Mehrheit der Biblischen Redaktoren mit all den unterschiedlichen Quellen, dennoch eine Abneigung gegen jedes homosexuelle Verhalten oder gegen jede Haltung besaßen, die nicht normgerecht, sprich heterosexuell ist. Auch wenn man die beiden wesentlichen Verse des Verbots des "männlichen Beischlafes" im Buch "Leviticus" überspringt, so ändert sich dieser Eindruck nicht wesentlich. Die Schwulen – oder genauer gesagt die Sündiger des männlichen Beischlafes – wurden immer der gläubigen Leserschaft als krankhafte Perverse präsentiert, deren Bestrafung noch zur rechten Zeit kommen werde. Lesben wurden darüber hinaus gar nicht erst erwähnt, als nicht existent erachtet.

Es stellt sich die Frage, wie es sein kann, dass jeder, der damals als schwul galt zum sündigen Bösewicht gestempelt wurde, während Lesben einfach nicht wahrgenommen worden sind. Bei einem genaueren Blick auf die Dinge scheint es, dass jemand systematisch dafür gesorgt hat, im Blickfeld des unvoreingenommenen Lesers alle Schwulen als abscheuliche Sünder darzustellen und die lesbische Version rundweg verschwinden zu lassen. Wahrscheinlich liegt das an der in früheren Zeiten gemeinhin vorherrschenden Sichtweise, Frauen seien dem Manne unterlegen.

Von Vorteil für die Leidtragenden war es jedenfalls als – zusätzlich zu den in der Heiligen Schrift vorkommenden undeutlichen Hinweisen – jüngere Kommentatoren unter dem Einfluss der später geschriebenen jüdischen Mythologie und der mündlichen Überlieferung in Midraschim neue Auslegungen formulierten. Eine umfassende Untersuchung und detaillierte Betrachtung zwischen den Zeilen der Geschichten und zwischen den Zeilen der dazugehörenden Kommentare weist auf eine beträchtliche Bemühung der Redaktoren hin, jedwede positive Darstellung von Schwulen und Lesben zu verbergen. Wenn solche Geschichten nicht mehr zurückgehalten werden konnten, so ignorierten sie die Redaktoren und erzählten nicht immer, was in Wirklichkeit vorgefallen war. Manchmal geschah dies auf solch unwirsche Art und Weise bis die queeren Charaktere ganz und gar ausgelassen wurden und aus dem TaNaKh verschwanden. Wenn ChaSaL, unsere Weisen - gesegneten Angedenkens, diese Geschichten nicht bewahrt hätten, wären sie uns heutzutage nicht bekannt.
Jedes Mal wenn das Thema Homosexualität unumgänglich wurde, verschwiegen die Redaktoren es zwar nicht, doch ließen sie diese Stellen in einem zweideutigen Licht. Nicht nur die strenge, zuweilen sogar homophobe Auslegung der hebräischen Bibel bietet eine Erklärung dafür, warum homosexuelle Motive so schwer zu erkennen sind; im Brauchtum der biblischen Zeiten war die heterosexuelle Ehe obligatorisch und wurde auch den Schwulen und Lesben auferlegt. In dieser Situation konnte die Ehe natürlich nicht über die sexuelle Identität des Ehepartners Aufschluss geben. Immerhin reden wir von einer solch antiken Epoche, dass Begriffe wie "schwul", "lesbisch", "transsexuell" oder "queer" überhaupt nicht bekannt waren.

Was passierte also in den Schlafzimmern der Vorzeit?

Unter Homosexualität verstand man damals nicht mehr und nicht weniger als den männlichen Beischlaf; heutige genderspezifische Fachbegriffe, wie "homosexuelle familiäre Nische" waren damals unbekannt. Die Welt in unseren Worten und Begriffen war einfach nicht existent. Und trotzdem gab es Versuche, homosexuelle Gefühle und Leidenschaft in Worte zu fassen. Ihre Überlieferung ist abhängig von der subjektiven Bereitschaft des Redaktors, diese so wiederzugeben wie sie in der ursprünglichen Version verfasst worden sind.

Und so entblößt sich der TaNaKh bei genauerem Hinsehen und fördert – trotz der pedantischen Arbeit der homophoben Redaktoren und Kommentatoren – mehr als nur das Motiv der "Brüderlichkeit" zwischen Männern zutage. Zwischen den Zeilen lassen sich auch in der hebräischen Bibel "Tunten, Kampflesben, Schrankschwule und gewöhnliche Menschen, die sich von ihrem eigenen Geschlecht angezogen fühlen" ausmachen.

Was passierte also in den Schlafzimmern der Vorzeit? Wer hat mit wem geschlafen? Wer begann den "Tunten-Trend"? Wer hat zum ersten Mal das Geschlecht ändern lassen? Und warum hören die Orthodox-Religiösen so ungern den Namen Lilith?

Sämtliche Geschichten im Folgenden:

glbt-ta / haGalil onLine 07-12-2003

 


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In 2003:

 


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