Nicht nur David und Jonathan
Zum Abschluss

Aufgrund des g'ttlichen Verbotes des männlichen Beischlafes war es notwendig, die in der Wirklichkeit vorgefallenen Geschichten an die g'ttlichen Gebote anzupassen. Die Tendenzen der Redaktoren der hebräischen Bibel waren in dieser Hinsicht, eine Vorspiegelung zu erzeugen, dass unerwünschte Erscheinungen, wie Homosexualität nicht beim auserwählten Volke Israel ihren Ursprung finden, sondern ein Frevel der Ungläubigen seien.

Wenn solche Sünden bei den Ungläubigen vorkamen, gab es keine Notwendigkeit, die verhassten Sünden zu vertuschen; im Gegenteil, diese wurden – sofern sie von den Gojim verübt worden waren – genauer ausgeführt und deutlich ausgesprochen, wie bei der Geschichte von Sodom und Gomorra, von der die gläubigen Leser zu lernen haben, wie man nicht handeln darf. Wenn solche Sünden – G'tt schütze uns! – in seltenen Fällen von Angehörigen des Volkes Israel begangen wurden, so war es immer wichtig zu betonen, dass sie von einer kleinen Zahl von Sündern begangen wurden, die am Ende ihre gerechte Strafe erhalten würden. Die Taktik der Redaktoren änderte sich entsprechend, wenn es sich um positive Leitfiguren handelte: Sie erzählten alle Einzelheiten über die Person, wobei alle Details zu ihrer Homosexualität nicht relevant und aus dem Kontext gestrichen wurden (s. Geschichten von Cham, Joseph, Potiphar und David). Bei genauerer Betrachtung sollte den Redaktoren diese Art Zensur nicht allzu schwer fallen, nachdem in dieser Zeit Ehen essentiell waren und Schwulen und Lesben halfen, sich an die gesellschaftlichen Gegebenheiten als vermeintliche Heterosexuelle anzupassen, was wiederum der Zensurarbeit der Redaktoren dienlich war.

Fernerhin galt Homosexualität in der besagten Zeit als Tabuthema, und so gut wie niemand war bereit, seine sexuellen Neigungen in der Öffentlichkeit Preis zu geben, sich zu outen; diese Missstände erleichterten natürlich im Wesentlichen die Zensurbestreben der Redaktoren.

Die Geschichte von David und Jonathan fällt in gewisser Weise aus dem Rahmen, weil sie sich in der Hinsicht von den übrigen Fällen von Homosexualität in der Bibel unterscheidet, als Jonathan ein Königssohn war und nach seinem eigenen Gutdünken handelte, niemandem Rechenschaft ablegen musste. Er fürchtete und beugte sich ganz und gar nicht vor den gesellschaftlichen Normen und zeigte seine wahren Gefühle zu David in aller Deutlichkeit; der einzige, der es wagte, ihn dafür zu kritisieren, war sein Vater, der König, der einzige, der ihm gegenüber eine höhere gesellschaftliche Stellung einnahm. Die Kühnheit Jonathans ließ den Redaktoren keine Wahl, und sie sahen sich gezwungen, die Wahrheit zu überliefern, mit jeglicher Vorsicht bei den Formulierungen und mit selektiver Auswahl der Worte, die Gefühle beschreiben. Auch wenn wir aus heutiger Perspektive ein deutlicheres Bild davon besitzen, was wirklich vorgefallen sein könnte, so erreichen die Ausdrücke nicht im mindesten das Niveau der begrifflichen Darstellungen von heterosexuellen Liebesbezeugungen in der hebräischen Bibel (wie zum Beispiel die Gefühlsausbrüche von Michal, der Schwester Jonathans, gegenüber David).

Parallel dazu verbietet der TaNaKh ebenso den Geschlechtsverkehr zwischen Frauen. Wenn Lesben – Um G'ttes Willen! – irgendwie in der Realität existent waren, war es unbedingt notwendig, sie verschwinden zu lassen. Lilith, die ideale Lesbe, wurde aus der Schöpfungsgeschichte zensiert; dieser Charakter verschwand fast ausschließlich aus der Schöpfungsgeschichte, obwohl sie eine nicht zu unterschätzende Wichtigkeit besaß. Neama wird nur namentlich erwähnt, mehr wird über sie nicht bekannt. Am Ende gelangten beide weiblichen Figuren in der jüdischen Überlieferung[57] zu zweifelhaftem Ruhm, weil die beiden Frauen ein revolutionäres, umstürzlerisches und untypisches Verhalten an den Tag legten.

Zwar ist der TaNaKh immer noch das Hauptdokument der Überlieferung der jüdischen Geschichte der alten Tage, es ist ein bisschen schwer, das vage homosexuelle Spektrum von damals einzuschätzen. Aber ganz zweifellos gab es und wird es immer Schwule und Lesben geben. Oder wie einer der prophetischen Sprüche von Jeshajahu über die letzten Tage lautet: "Jede Schlucht wird erhoben werden."[58]

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and an Extra SoundFile - Hot for Cold Days
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glbt-ta / haGalil onLine 15-12-2003

 


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