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Was
geschah in den Schlafzimmern der Vorzeit
Die Liebe Jonathans kannte keine Grenzen
Samuel I, 17-23; Samuel II, I, 4
Jonathan fürchtete
nicht die Konfrontation mit seinem Vater, König Scha'ul.
Bei einer ihrer Auseinandersetzungen, in denen Jonathan David
verteidigte, warf ihm sein Vater vor: "Welch ein Sohn voller
Aufwiegelungen, der den Sohn des Jischai deiner und deiner Mutters
Schande vorzieht"
Mit dem Ausdruck der "Buschat arwat emcha" / "Schande der Scham
deiner Mutter" bezieht sich Scha'ul in negativer Hinsicht auf Jonathans
Beziehung mit David. Jonathan entfernt sich von ihm beschämt und
gekränkt, aber nicht wegen der Unannehmlichkeiten, die ihm sein
Vater bereitet hat oder wegen der Vorwürfe, die er ihm gemacht hat,
sondern weil "er darüber traurig war, dass er und David seinen Vater
beschämt hatten."
Daraufhin trifft er sich mit seinem Geliebten. Nach einem Kuss,
erzählt ihm Jonathan, was vorgefallen war, und beide weinen bis
David anfängt, stärker zu weinen. Daraufhin schließt Jonathan mit
ihm zum dritten Mal einen Bund, nur dass diesmal zusätzlich zum
Liebesbund (alternativer Ehebund?), der die beiden bereits vereint,
ein zusätzlicher Bund der ewigen Vereinigung ihrer Nachkommenschaft
tritt (Alternative zum gemeinsamen Nachwuchs?). Die Liebe Jonathans
kannte keine Grenzen. Ohne zu zögern wäre er bereit gewesen, auf
seine Thronfolge zugunsten seines Liebhabers zu verzichten. Auch
seine Liebesbezeugungen sind eindeutig und enthalten charmante
homosexuelle Elemente (entgegen der frommen Darlegungen der
religiösen Instanzen). Seien wir einmal objektiv: Ausdrücke, wie
"Und Jonathan liebe ihn wie einen Seelengenossen", "Und Jonathan und
David schlossen einen gemeinsamen Bund der bedingungslosen Liebe",
"Und Jonathan, der Sohn Scha'uls, fand sehr großes Gefallen an David",
"Und Jonathan forderte von David, sich auf ihre Liebe einzuschwören"
sprechen gleichwohl eine deutliche Sprache. Im Gegensatz zur
grenzenlosen Liebe Jonathans drückt David seine Gefühle der
Zuneigung nur einige wenige Male aus und nicht in der eindeutigen
Art und Weise wie Jonathan.
Auf den ersten Vorfall dieser Art wurde bereits eingegangen: Als
Jonathan seinem Freund von den kränkenden Worten erzählte, die ihm
sein Vater vorgeworfen habe und wegen dessen Urteil ihre Beziehung
von einer erzwungenen Trennung überschattet wird, ist überliefert,
dass David schmerzhafter weint als Jonathan. Dennoch geht nicht
deutlich aus der Überlieferung hervor, ob David wegen der Kränkung
seines Liebhabers weint, wegen seiner Furcht vor König Scha'ul oder ob
er weint, weil er ihre Trennung herannahen sieht.
Der zweite Vorfall setzt nach Jonathans Tod ein, als David um ihn
trauert: "Es tut mir Leid um Dich, mein Bruder Jonathan; Du warst
mir sehr angenehm, Deine Liebe war mir wohltätiger als die
Frauenliebe."
Deckt David mit diesen Worten seine bisexuellen Neigungen und seine
auf Gegenseitigkeit beruhenden Gefühle zu Jonathan auf? Drückt er
damit aus, dass ihm ihre Liebe viel angenehmer und gefälliger war
als alle Beziehungen, die er jemals mit Frauen hatte? Oder handelt es
sich hierbei um einen andersartigen Männerbund? Alle Beschreibungen
über David im TaNaKh bleiben schleierhaft und ermöglichen keine
eindeutige Interpretation.
glbt-ta / haGalil
onLine 15-12-2003 |