Was geschah in den Schlafzimmern der Vorzeit

Die Liebe Jonathans kannte keine Grenzen
Samuel I, 17-23; Samuel II, I, 4[51]

Jonathan fürchtete nicht die Konfrontation mit seinem Vater, König Scha'ul[52]. Bei einer ihrer Auseinandersetzungen, in denen Jonathan David verteidigte, warf ihm sein Vater vor: "Welch ein Sohn voller Aufwiegelungen, der den Sohn des Jischai deiner und deiner Mutters Schande vorzieht"[53]

Mit dem Ausdruck der "Buschat arwat emcha" / "Schande der Scham deiner Mutter" bezieht sich Scha'ul in negativer Hinsicht auf Jonathans Beziehung mit David. Jonathan entfernt sich von ihm beschämt und gekränkt, aber nicht wegen der Unannehmlichkeiten, die ihm sein Vater bereitet hat oder wegen der Vorwürfe, die er ihm gemacht hat, sondern weil "er darüber traurig war, dass er und David seinen Vater beschämt hatten."[54]

Daraufhin trifft er sich mit seinem Geliebten. Nach einem Kuss, erzählt ihm Jonathan, was vorgefallen war, und beide weinen bis David anfängt, stärker zu weinen. Daraufhin schließt Jonathan mit ihm zum dritten Mal einen Bund, nur dass diesmal zusätzlich zum Liebesbund (alternativer Ehebund?), der die beiden bereits vereint, ein zusätzlicher Bund der ewigen Vereinigung ihrer Nachkommenschaft tritt (Alternative zum gemeinsamen Nachwuchs?). Die Liebe Jonathans kannte keine Grenzen. Ohne zu zögern wäre er bereit gewesen, auf seine Thronfolge zugunsten seines Liebhabers zu verzichten. Auch seine Liebesbezeugungen sind eindeutig und enthalten charmante homosexuelle Elemente (entgegen der frommen Darlegungen der religiösen Instanzen). Seien wir einmal objektiv: Ausdrücke, wie "Und Jonathan liebe ihn wie einen Seelengenossen", "Und Jonathan und David schlossen einen gemeinsamen Bund der bedingungslosen Liebe", "Und Jonathan, der Sohn Scha'uls, fand sehr großes Gefallen an David", "Und Jonathan forderte von David, sich auf ihre Liebe einzuschwören"[55] sprechen gleichwohl eine deutliche Sprache. Im Gegensatz zur grenzenlosen Liebe Jonathans drückt David seine Gefühle der Zuneigung nur einige wenige Male aus und nicht in der eindeutigen Art und Weise wie Jonathan.

Auf den ersten Vorfall dieser Art wurde bereits eingegangen: Als Jonathan seinem Freund von den kränkenden Worten erzählte, die ihm sein Vater vorgeworfen habe und wegen dessen Urteil ihre Beziehung von einer erzwungenen Trennung überschattet wird, ist überliefert, dass David schmerzhafter weint als Jonathan. Dennoch geht nicht deutlich aus der Überlieferung hervor, ob David wegen der Kränkung seines Liebhabers weint, wegen seiner Furcht vor König Scha'ul oder ob er weint, weil er ihre Trennung herannahen sieht.

Der zweite Vorfall setzt nach Jonathans Tod ein, als David um ihn trauert: "Es tut mir Leid um Dich, mein Bruder Jonathan; Du warst mir sehr angenehm, Deine Liebe war mir wohltätiger als die Frauenliebe."[56]
Deckt David mit diesen Worten seine bisexuellen Neigungen und seine auf  Gegenseitigkeit beruhenden Gefühle zu Jonathan auf? Drückt er damit aus, dass ihm ihre Liebe viel angenehmer und gefälliger war als alle Beziehungen, die er jemals mit Frauen hatte? Oder handelt es sich hierbei um einen andersartigen Männerbund? Alle Beschreibungen über David im TaNaKh bleiben schleierhaft und ermöglichen keine eindeutige Interpretation.

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glbt-ta / haGalil onLine 15-12-2003

 


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