Was passierte
in den Schlafzimmern der Vorzeit?

Die erste Geschlechtsumwandlung
Genesis 30, 34[16]

In Genesis 30, Vers 21 steht geschrieben über Lea: "Und sie gebar eine Tochter, und sie ward geheißen Dina[17]". Aus dem genannten Vers kann man ableiten, dass die Tochter geboren wurde, nachdem etwas vorgefallen war. Aber dieses etwas wird im TaNaKh nicht genauer ausgeführt.
Der Talmud vervollständigt im Kapitel der Segenssprüche
[18] die fehlenden Angaben und deckt das fehlende Puzzlestück auf. Lea sieht in einer Prophezeiung, dass Jakob zwölf Söhne haben wird. Sie gebar ihm bis dahin bereits sechs Söhne. Jede seiner Zweitfrauen empfing von ihm zwei Söhne, das heißt insgesamt hatte er zu diesem Zeitpunkt zehn Söhne; ihre Schwester, Rachel, hatte gar keine Kinder. Als Lea zum siebten Mal mit dem Wissen schwanger wird, dass in ihrer Gebärmutter ein Sohn heranwächst, erkennt sie, dass wenn er geboren wird, ihre Schwester im besten Falle – laut Prophezeiung – ein Sohn geschenkt werde. Lea will nicht, dass ihre Schwester in der Zahl der Söhne den Zweitfrauen unterlegen sein wird, nachdem jede von ihnen Jakob bereits zwei Söhne geschenkt hat; sie ersucht G'tt darum, den Jungen in ihrer Gebärmutter in ein Mädchen zu verwandeln, damit Rachel die Chance erhält, Jakob ebenfalls zwei Söhne zu schenken. Laut dem Talmud gibt G'tt Leas Ersuchen statt und verändert das Geschlecht des Embryos bereits vor seiner Geburt. Lea nennt das neugeborene Mädchen Dina, weil G'tt ihre Bestimmung[19] verändert hat.

Dinas Gender-Identität ist damit nicht abgehakt. Kapitel 34 von Genesis beginnt mit dem Vers: "Und Dina, Tochter der Lea, die Jakob geboren worden ist, werde die Töchter des Landes erblicken"[20] Was sagt uns dieser Vers? Was wollte der Redaktor den Lesern damit vermitteln als er schrieb, Dina erblicke die Töchter des Landes? Neben diesem Fall gibt es in der gesamten hebräischen Bibel nur zwei dieser Art. In beiden wird der Blick als Ausdruck des Interesses an den jungen Frauen ausgelegt, eine Anziehung die sich den gegebenen Normen widersetzt. In Genesis 6,2[21] wird von den Engeln berichtet, die sich von den für sie unantastbaren jungen Frauen angezogen fühlen[22]. Und in den Richtern 14[23] kommt Samson vor, der die Töchter der Philister verführen möchte[24].
Hat Dina, die Tochter Jakobs also auch in diesem Falle gegen die gegebenen Normen verstoßen? Hat sie die Töchter des Landes begehrt? Es ist und bleibt sehr merkwürdig, dass die großartigen Kommentatoren nicht darauf eingehen und niemand es wagt, sich mit diesem seltenen Fall auseinander zu setzen. Außerdem verurteilen die Kommentatoren jeden, der plant, sich mit den Ungläubigen zu vermischen, oder sie bringen eine plausible Erklärung hervor, die die Tat rechtfertigt; im Falle Dinas fällt weder ein Wort der Verurteilung noch eine Erklärung der Rechtfertigung. Aus Sicht der homophoben Kommentatoren ist das berechtigt, denn für sie existiert das Phänomen der Lesben überhaupt nicht. Sie sehen keine Notwendigkeit darin, mit der Erörterung dieses Themas eine Art Büchse der Pandora zu öffnen.

Dina trifft kein gutes Schicksal, denn sie begegnet Sch'chem[25], der sie begehrt und an ihr seine bösen Absichten ausführt. Nach dem Leid und den Martern, die er an ihr begangen hat, verliebt er sich in sie und will sie heiraten. Nachdem sich die Familie nicht mehr seinen Heiratsersuchen entziehen kann, kommen Shimon und Levi bewaffnet ins Dorf und zerstören es bis auf die Grundmauern, töten alle männlichen Einwohner und bringen ihre Schwester und ihre verlorene Ehre zurück. Der Midrasch erzählt, dass Dina endgültig entscheidet, niemals wieder zu heiraten. Sie hält sich auch an dieses Gelübde. Sie bringt eine Tochter zur Welt und nennt sie Osnat nach den Grausamkeiten[26], aus denen sie hervorgegangen ist.

Dabei ist interessant zu beobachten, dass im Gegensatz zu den Schwulen im TaNaKh, die sich zum größten Teil den gesellschaftlichen und g'ttlichen Auflagen beugen, den normativen Weg der Ehe einschlagen, die biblischen Lesben (Lilith, Neama und Dina) einen alternativen Lebensstil adaptieren, was die Kindererziehung ohne männlichen Beistand bedeutet und wofür sie eine schwere gesellschaftliche Last zu zahlen haben.

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[19] ??? Hebr.: Urteil, Bestimmung
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Hebräisch: Grausamkeit, Folter Qual

glbt-ta / haGalil onLine 08-12-2003

 


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