[Nicht nur David und Jonathan]

Die erste feministische Lesbe
Genesis 1,2 und 4, 1. B.M.[1]

Viele Lesben sind der Ansicht, dass die feindliche Einstellung gegenüber Schwulen einfacher zu verkraften ist als die demütigende und ignorante Einstellung gegenüber Lesben, die deren Existenz einfach leugnet. Diese Hypothese ist durchaus fundiert, nicht nur, dass kein Verbot für den Geschlechtsverkehr zwischen Frauen ausformuliert wurde, dieser Fall wird auch in keinster Weise erwähnt in der Bibelschreibung.

Es ist nur logisch, von der Annahme auszugehen, dass es damals auch Lesben gab; und sogar die erste Frau, die erschaffen worden ist, war keine ultimative Heterosexuelle. Die Rede ist hierbei nicht von Eva, sondern von der Frau, die vor ihr erschaffen worden ist:

Der TaNaKh beginnt mit der Erschaffung der Welt. Am sechsten Tage ist die Rede von der Erschaffung des Menschen (Adam). In Genesis steht ausdrücklich geschrieben, dass G'tt vom Menschen zwei Exemplare erschafft, Mann und Frau, ganz so wie im Tierreich. An späterer Stelle wird überliefert, dass Adam bei G'tt beanstandet, alle Lebewesen im Tierreich hätten (Geschlechts-)Partner, nur er habe kein Äquivalent. Was ist passiert? Wohin ist die Frau verschwunden?

Was die Redaktoren aus der Geschichtsschreibung gestrichen haben, wird in der jüdischen Mythologie überliefert (im Sefer haSohar[2] und in unterschiedlichen Midraschim). Hier offenbart sich ein völlig neuer Aspekt der Erschaffungsgeschichte, der wie es scheint absichtlich aus dem Original entfernt worden ist. G'tt erschuf zwei Wesen, Adam und Lilith. Entgegen den Erwartungen war Lilith nicht bereit, ihrem Gatten, den G'tt ihr zur Seite gestellt hatte, hörig zu sein, und so verwehrte sie sich als unabhängige Persönlichkeit seinem Sagen und dem Geschlechtsverkehr mit ihm. In seiner Not wandte sich Adam an G'tt und beklagte sich über seine Gattin, die nicht bereit sei, ihn – das Männchen – wie alle Weibchen im Tierreich zu befriedigen. G'tt zürnte Lilith und vertrieb sie aus dem Paradies. Lilith verbündete sich mit Satan, der sie in einen Dämon verwandelte. Gekränkt und zornig sinnt sie auf Rache. Seitdem lauert sie Menschen an entlegenen Orten, Ödland und Ruinen auf, die alleine in den späten Nachtstunden unterwegs sind, um ihnen Unheil zu bescheren. Lilith ist vor allem bekannt für ihre Angriffslustigkeit gegenüber Männern. Im TaNaKh wird sie nur an einer einzigen Stelle erwähnt, welche sich erst im Buch Jeschajahu[3] befindet, wo der Prophet in seiner Weissagung auf die Einöde und auf verlassene Orte eingeht. Unsere Weisen – gesegneten Angedenkens warnen uns davor, dass Lilith den Samen von all denjenigen stielt, die ihn vergeuden (d.h. onanieren) und dass sie daraus Dämonen erschafft. Über den Diebstahl und die Vergeltung hinaus wird Liliths radikales Wesen zum symbolischen Vorbild all jener Frauen, die sich selbst als Feministinnen (und Lesben) sehen; sie hält an ihrem Recht fest, sich zu vermehren, doch gleichzeitig lässt sie nicht zu, dass dies durch ihre Unterwerfung unter die Vorschriften und Normen des G'ttes oder der Gesellschaft geschieht. So weigert sie sich unter allen Umständen, sich den Männern oder dem Manne unterzuordnen und behilft sich einzig und allein mit seinem Samen.

An späterer Stelle ist die Rede davon, dass Lilith einen Partner findet; hierbei handelt es sich jedoch nicht um einen männlichen Partner. Sie verbündet sich mit Neama[4], Schwester von Tuwel-Kin[5], die ihrerseits revoltierte und sich zu einem Dämon verwandelte. Auch sie unterdrückte nicht ihren Mutterinstinkt, und aus unbeabsichtigten Ejakulationen in den Nächten gebar sie ebenfalls Dämonen. Lilith und Neama freundeten sich an, zogen gemeinsam ihre Brut groß und rächten sich gemeinsam an den Männern.

G'tt zog die Konsequenzen aus der misslungenen Schöpfung von Lilith: Die zweite Frau, die er erschuf, Eva, ließ er demnach aus der Rippe Adams entstehen. Die zweite, "verbesserte" Version der Frau ging also aus dem Körper Adams hervor, das heißt es entstand eher der Eindruck, dass sie ihm gehört. Mit diesem Akt entgegnete G'tt höchstwahrscheinlich Adams Klagen, denn wenn die Frau als Teil des Mannes und nicht als eigenständiges Wesen betrachtet wird, so unterwirft sie sich auch eher seiner Autorität und seinem Willen.

Was hätte G'tt dazu gesagt?
Nicht nur David und Jonathan

Bereits in den Tagen des Sefer Bereschit und während der ganzen Epoche des TaNaKh kommen Schwule, Lesben und sämtliche andere vor, die nicht mit dem Vermehrungsgebot zurecht kamen. Ariel Kahan gibt in einer neuen Serie einen Überblick über einige Fälle und verleiht jedem Originaltext seine eigene Interpretation...

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glbt-ta / haGalil onLine 07-12-2003

 


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