Jüdisches Leben:
Religiöse Positionen zur
Homosexualität
Es ist nur auf den ersten
Blick erstaunlich, dass sich
bisher lediglich die National-Religiöse Partei eindeutig ablehnend zur
Gleichberechtigung Homosexueller in Israel verhalten hat.
Die übrigen religiösen (ultra-orthodoxen) Parteien haben sich zum
Thema kaum geäußert. Sie sehen aus verschiedenen Gründen keinen dringenden Handlungsbedarf
und verweisen
darauf, dass entsprechende Passagen der Lehre (Torah) "himmlisches
Gesetz" seien - in der Praxis heißt dies, man könne die
Beurteilung in aller Ruhe dem Himmel überlassen.
Grundsätzlich gilt, dass man
die Verfehlung durch homosexuelle Praktiken nicht schärfer bewerten
darf, als Verstöße gegen andere Gebote der Überlieferung, wie
z.B. Shabath und Kashruth. Wobei etliche rabbinische
Autoritäten die jüdische Gemeinschaft durch Nichtbeachtung
der Gebote und Verbote zum Schabath oder auch der Vorschriften zum sozialen
Handeln sehr viel stärker belastet sehen.
Trotzdem, die meisten
Rabbiner gehen davon aus, dass homosexuelle Praktiken von der Torah
nicht erlaubt sind - genauso wenig wie eben das Essen eines Cheeseburgers
oder das Autofahren am Schabath.
Andere Deutungen gehen
weiter. Sie meinen, die beiden wichtigsten Bibelverse, die eine jüdische
Verurteilung der Homosexualität begründen, seien keineswegs so
eindeutig verständlich, wie sie vielen erscheinen.
Wenn wir lesen: Du sollst
nicht mit einem Mann schlafen, wie man mit einer Frau schläft; ein Gräuel
ist das." (Wajjikra/Lev 18, 22). Oder: Wenn ein Mann mit
einem Mann schläft wie mit einer Frau - ein Gräuel haben beide verübt,
sterben, ja sterben sollen sie, ihr Blut über sie!" (ebd 20,
13), so meinen manche Kommentatoren, der Zusammenhang, in dem die
Verse stehen, lege die Deutung nahe, es handle sich hier um ein
Verbot der einst in der heidnischen Umwelt blühenden
Tempelprostitution. Die Homosexualität im heutigen Sinn sei hier
gar nicht gemeint.
Respekt vor allen Menschen ist
Achtung vor G'tt
Wie dem auch sei: Viele
Gesetzeslehrer, so z.B. Rabbi Ben Asaj in Sifra Kedoschim II,4,12,
sehen in der Aussage, dass jeder Mensch, d.h. jeder Mann und jede
Frau, nach dem Bild und Entwurf Gottes geschaffen ist, die
zentralste aller Aussagen der heiligen Lehre (Bereschit/Genesis 1,
27).
Im Brief des RaMBaN an seinen
Sohn lesen wir, die Missachtung eines Menschen sei eine Empörung
gegen G'tt, den Erschaffer aller Menschen: "Wer sich im Herzen
über die anderen erhebt, der empört sich gegen die Herrschaft
G'ttes".
Prof. Dr.
Felice-Judith Ansohn,
Medizinerin und Historikerin, betont im Essay "Juden
und Homosexualität", dass dies (was selbstverständlich
sein sollte) auch für den
homosexuellen Menschen, Mann wie Frau, gelte. Daraus folge, dass man
Homosexualität nicht mehr als "widernatürlich"
diffamieren dürfe.
Wenn wir von "Homosexualität"
reden, müssen auch anthropologische, psychosoziale und kulturelle
Zusammenhänge berücksichtigt werden. Ansohn schreibt: "Der
Einwand, Homosexualität sei 'gegen die menschliche Natur', hält
einer Prüfung im Licht heutiger sexualkundlicher Erkenntnisse
ebenso wenig stand wie die Behauptung, es handle sich um eine
Krankheit.
Letztere Ansicht wurde gegen
Ende des vorigen Jahrhunderts (von Krafft-Ebing 1893) zuerst
vertreten. Heute wissen wir, dass es eine einzige, 'natürliche'
Form menschlicher Sexualität nicht gibt und nie gegeben hat. Immer
hat es nicht nur viele Varianten sexuellen Verhaltens gegeben,
sondern auch fließende Übergänge von einer Variante zur anderen
in ein und demselben Menschen, nacheinander wie nebeneinander.
Die Auffassung von der
Homosexualität als einer krankhaften Abirrung der
Geschlechtlichkeit, hilft niemandem, sie beleidigt nur. Nicht die
Homosexuellen bedürfen der Heilung, sondern die Homophoben, hinter
deren starren, tief verwurzelten Vorurteilen sich Verdrängungen
eigener lustvoller Wünsche verbergen".
Prof. Ansohn sieht in der
jüdischen Tradition durchaus die Möglichkeit zu einem selbstbewußten
homosexuellen und jüdischen Leben. Wichtig sei es allerdings,
dass jüdische Schwule und Lesben nicht allein bleiben, sonst
bestehe die Gefahr "den Zusammenhang mit allem, was unser Jüdischsein
tragen, stärken und befruchten kann, zu verlieren".
Diesem Ansatz folgte auch die
vor 25 Jahren gegründete "Agudah", und auch die Gründung
von "Yachad", der Vereinigung schwuler, lesbischer und
bisexueller Jüdinnen und Juden in Deutschland, folgt diesem
Konzept. Dass die Situation in
Deutschland eine viel schwierigere als z.B. in Israel oder auch den
USA ist, liegt an den Problemen jüdischen Lebens in Deutschland
überhaupt.
Pro und Contra:
Soll es für
homosexuelle Paare einen Segen unter der Chuppa geben?
Für mich steht fest, dass man sich nicht aussuchen kann, ob man
schwul ist oder nicht. Wir wissen heute viel besser über die möglichen
Ausdrucksformen der Homosexualität Bescheid. Und wir wissen, wie weit verbreitet
Homosexualität tatsächlich ist...
Plädoyer für die Polygamie:
Gedanken
zum Eherecht
Real-Audio von Kobi Weitzner aus der Forward Hour...
Was hätte G'tt dazu gesagt?
Nicht
nur David und Jonathan
Bereits in den Tagen des Sefer Bereschit (Genesis,
Erstes B.M.) und während der ganzen Epoche des TaNaKh (Heilige
Schrift, hebräische Bibel) kommen Schwule, Lesben und sämtliche
andere vor, die nicht mit dem Vermehrungsgebot zurecht kamen.
Ariel
Kahan gibt hier einen Überblick über sämtliche Fälle seien sie nun
auffälliger oder harmloser und verleiht jedem Originaltext seine
eigene,
Queer-Theory Interpretation...
Trembling
before G-d:
Interview mit dem
Regisseur Sandi Dubowski
Es ist schwer zu sagen, was Sandi
Simcha Dubowski dazu gebracht hat, seinen ersten Kinofilm zu
drehen...
Zittern im Angesicht
des Herrn:
Trembling before
G-d
TV-Erstausstrahlung des
mehrfach ausgezeichneten israel.-amerik. Films von Sandi Simcha DuBowski
bei arte, 06-08-02 Uhr...
"Die Geliebten, die Gefreundeten":
Schwul / lesbisch und jüdisch
Was "schwul" und "lesbisch" ist, wissen wir
alle, nehme ich an, wenngleich vermutlich nicht alle aus
eigener Erfahrung mit homosexueller Liebe. Weit schwerer
scheint mir, heutzutage eine gemeinsame Antwort auf die Frage
zu finden "Was ist jüdisch"?...
Herausforderung an uns und
unsere Gemeinden:
Das Comingout des INTER
Interreligiosität,
Homosexualität und Transgender...
Die Anerkennung der
Gemeinde:
Schwul-lesbische Kidduschin
In den letzten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ist
lesbisches und schwules Leben sichtbarer geworden - jedenfalls in der westlichen
Welt...
Zusammengestellt für Yachad in Berlin:
Eine
alternative Haggada
Auf deutsch mit
traditionellen und alternativen Berachoth...
hagalil.com/yachad/homosexual.htm
Homosexualität im Judentum
Das
Thema ist konfliktgeladen. Denn es gibt homosexuelle Jüdinnen und Juden-
aber die Normen, auf denen das Judentum gründet, schließen homosexuelle
Menschen aus...
Für
ein Leben in Gottes Nähe:
Homosexualität im Judentum
Das Thema Homosexualität und gleichgeschlechtliche
Partnerschaft hat die Seifenopern erobert. Vor Jahren machte die
"Lindenstrasse" den Anfang, nun geht es in deutschsprachigen
Arztserien um die Frage des Besuchsrechtes von schwulen Partnern bei
ihrem Lebensgefährten...
Interview mit Evelyn Torton Beck:
Nice Jewish
Girls
Evelyn Torton war sechs Jahre alt
als sie 1939 mit ihrer Familie aus Österreich flüchten mußte weil
sie Jüdin war. Ihre Großmutter die in Wien zurückblieb, wurde von
den NationalsozialistInnen deportiert und ermordet.
Der Rand ist die Mitte:
Lesbischer Eigensinn und jüdische Gemeinschaft
Das folgende Gespräch fand im
Rahmen des Workshops von Elizabeth Tikvah Sarah "On being a Lesbian
Rabbi" statt...
Bet Debora:
Die jüdische Familie
Nach dem großen Erfolg der
ersten Tagung vor zwei Jahren und der oft geäußerten Bitte, Bet
Debora fortzusetzen, laden wir zum zweiten Mal Jüdinnen und Juden
und alle anderen Interessierten aus ganz Europa nach Berlin ein.
dg /
haGalil onLine 09-10-2003 |