"Einsam war ich nie"
Schwule unter dem Hakenkreuz
1933-1945

Als '175er' wird Friedrich-Paul von Groszheim von den Nationalsozialisten verfolgt, landet zweimal im Gefängnis und schließlich im Konzentrationslager. 'Freiwillig' muss er in dieser Zeit eine Kastration an sich vornehmen lassen. Trotz aller Widrigkeiten leugnet er niemals seine Homosexualität und genießt die schwule Szene der Goldenen Zwanziger ebenso wie die nach 1969.

Friedrich-Paul von Groszheim ist nur einer von elf zwischen 1906 und 1925 geborenen Männern, deren Schicksale Lutz van Dijk und Günter Grau für "Einsam war ich nie" dokumentiert haben. In lebendig erzählten Porträts lassen sie bis heute nicht entschädigte Opfer der nationalsozialistischen Unrechtsherrschaft zu Wort kommen. Ein eigener Abschnitt bietet einen kompakten Überblick über die historische Aufarbeitung eines immer noch verdrängten Kapitels unserer jüngsten Geschichte.

Günter Grau (geb. 1946) lebt als Sexualwissenschaftler in Berlin. Er hat unter anderem den Dokumentenband 'Homosexualität in der NS-Zeit' herausgegen und in dem Buch 'Die Linke und das Laster' über die 'sozialistische Einheitsmoral' in der DDR publiziert.
Lutz van Dijk, wurde 1955 in Berlin geboren. Er war mehrere Jahre Lehrer an einer Sonderschule in Hamburg, nach einem Zweitstudium (u.a. in Israel) und Promotion zum Dr.phil. in der Lehrerfortbildung und am Anne Frank Haus in Amsterdam tätig. Der mit verschiedenen Preisen ausgezeichnete Jugend- und Sachbuchautor, dessen Bücher in mehrere Sprachen übersetzt wurden, lebt und arbeitet seit 1992 als freier Schriftsteller in Amsterdam.

Rezension der Amazon.de-Redaktion (RJ Poole): Das Motto "Einsam war ich nie" stammt von Gad Beck, einem von elf Männern, deren Leben in Einzelbeiträgen hier erzählt wird. Diese Männer, geboren zwischen 1895 und 1925, durchlebten aufgrund ihrer Homosexualität in der NS-Zeit, aber zum Teil auch noch danach, Diskriminierung und Verfolgung.

Im Gegensatz zu anderen verfolgten Gruppen ist der Status homosexueller Opfer des Nationalsozialismus weiterhin prekär (hierzu liefert der Band zwei Dokumente im Anhang), ein Grund für das jahrzehntelange Schweigen vieler schwuler Männer. Der Mitherausgeber Günter Grau spricht in seinem informativen Nachwort von gerade mal einem guten Dutzend authentischer Zeugnisse diesbezüglich.

Vor Jahren wurde diese Sammlung erstmals veröffentlicht, nun liegt sie -- in aktualisierter und erweiterter Form -- endlich wieder vor. Nicht nur zeugt dieses Bändchen von einer besonders schrecklichen Phase der Menschheitsgeschichte, es führt implizit auch die vielerorts weiterhin anhaltende Stigmatisierung und Kriminalisierung von Homosexualität vor Augen. So gibt es den Angaben von amnesty international zufolge allein immer noch neun Staaten, die hierfür die Todesstrafe verhängen. Und doch erzählt z. B. der weltweite Erfolg von Gad Becks Autobiografie eine andere Geschichte: Es ist auch für ältere Schwule kein absolutes Tabu mehr, über ihre früheren homosexuellen Erfahrungen zu schreiben und damit in eine weithin sichtbare Öffentlichkeit zu treten.

Was die hier zusammengetragenen Porträts auszeichnet, sind -- neben der löblichen Pionierarbeit van Dijks und Graus und den sorgfältig recherchierten, detailreichen und mit weiterführenden Literaturhinweisen versehenen Beiträgen selbst -- die eingestreuten rückblickenden Selbstaussagen der Erinnernden. Die Art, wie sie von ihren ersten sexuellen Erfahrungen berichten und sich ihrer großen Jugendlieben besinnen, ist anrührend und erschütternd zugleich, zeugt dies doch von dem Willen, sich trotz erlittener Grausamkeiten ein Stück erlebten Glückes erhalten zu wollen.

Dijk, Lutz van:
Einsam war ich nie
Schwule unter dem Hakenkreuz 1933-1945.

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Vorw. v. Wolfgang Popp / Unter Mitarb. v. Günter Grau
2003. 175 S. m. zahlr. Fotos. 20,5 cm, Querverlag, 3896560972

Homosexualität in der NS-Zeit
von Günter Grau


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Kurzbeschreibung (Rosa Winkel): Eine umfassende und akribisch edierte Sammlung von Dokumenten zur Homosexuellenverfolgung in der NS-Zeit. Homosexuelle Frauen und Männer gehören bis heute zu den oft vergessenen Opfern des Nationalsozialismus. Über ihr Schicksal, ihre Verfolgung und ihren Alltag ist wenig bekannt. Günter Grau legt hier seine umfassende und akribisch edierte Sammlung von Dokumenten zur Homosexuellenverfolgung vor und einen Bericht von Claudia Schoppmann über die damalige Situation lesbischer Frauen.

glbt-ta / haGalil onLine 22-12-2003

 


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In 2003:

 


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