„Yossi & Jagger – Eine Liebe in Gefahr“
… mehr als nur ein Liebesfilm
Jörg Fischer
Bereits 2002 kam der israelische Spielfilm „Yossi
& Jagger“ in die Kinos und erntete Auszeichnungen und Preise –
sowohl in Israel, als auch in Deutschland. Der Film ist in mehrerer
Hinsicht außergewöhnlich und bewegend – Grund, ihn auch nach vier
Jahren nochmals zu besprechen, diesmal aus der Sicht eines Schwulen
aus Deutschland.
Die Geschichte des Filmes, zur Erinnerung, ist: In
einem Außenposten der israelischen Armee nahe der Grenze zum Libanon
versucht die hier stationierte Einheit aus Männern und Frauen der
ständig lauernden Kriegs- und Terrorgefahr auf ihre ganz eigene Art
und Weise zu begegnen.
Jeder sieht sich hier als Überlebenskünstler in einer scheinbar
totbringenden Umgebung. Unter ihnen Yossi, der Kommandeur, der sich
besonders seinem militärischen Auftrag sehr verpflichtet fühlt und
Jagger, der Träumer, der bald die Armee verlassen wird und hofft,
dass sein Freund Yossi mit ihm ein neues Leben anfängt.
Wenn beide alleine sind, in der unwirtlichen und verschneiten
Berglandschaft auf Erkundungstour, scheint es keine Grenzen, keine
Gegensätze, keinen Krieg, sondern nur ihre Liebe zueinander zu
geben. Doch in der Gemeinschaft der Truppe holt der Alltag sie
schnell ein. Yossi, der kühle und pflichtbewusste Soldat, Jagger der
Unerschrockene, der trotz der angespannten Situation in dieser
Militärstation seinem Leben immer etwas Positives abgewinnen kann.
Die lautlose Kriegsgefahr aber ist allgegenwärtig und ein
gefährlicher Nachteinsatz wird das Leben für beide entscheidend
verändern. Bei diesem Nachteinsatz geht es darum, das Eindringen von
Terroristen nach Israel zu verhindern, Jagger wird bei diesem
Einsatz sterben.
Handwerklich ist der Film, der zu dem Überraschungserfolg des
israelischen Kinos wurde, eine Meisterleistung sondergleichen. Er
kommt völlig ohne Pathos und Klischees aus, ist keine Schnulze. Der
Film, der innerhalb weniger Stunden spielt, ermöglicht dem Zuschauer
überraschend tiefe, ja teilweise intime Einblicke in das Leben und
in den Alltag der Soldaten. Der Film zeigt dem Zuschauer Szenen, die
in ihrer Art besonders bezeichnend sind, er erklärt jedoch niemals
eine Situation. Der Zuschauer muß, so weit es ihm möglich ist, sich
selber in der Geschichte zurecht finden, und bekommt so die
Möglichkeit, sich selber ein Bild zu machen und authentische
Einblicke zu gewinnen.
Wie alle anderen, versuchen die beiden Hauptprotagonisten des Filmes
in einer Situation, die von Ernst und Todesfurcht beherrscht wird,
ein Leben zu verteidigen, das ihrer Jugend angemessen ist. Es ist
vielleicht diese Gabe, sich nicht mit dem bloßen Überleben zufrieden
zu geben, sondern auf Spaß zu bestehen, die die Personen des Films
auszeichnet und sie typisch "israelisch" macht. "Yossi und Jagger"
zeigt, was an Israel so besonders und schön ist, oder wie Walla
Entertainment es ausdrückte: "Yossi and Jagger is the only reason to
stay in Israel these days."
Gerade auch für deutsche Zuschauerinnen und Zuschauer, egal ob homo-
oder heterosexuell, ist dieser Film in vielerlei Hinsicht
informativ, aufklärend, begeisternd. Zum einen steht die Darstellung
im krassen Gegensatz zu so manchen antisemitischen
Propagandabehauptungen, die die israelische Armee gerne als
„blutrünstige“, „imperialistische“, „böse“ Soldateska diffamieren –
ohne das er die Schrecken eines Krieges und der ständigen Bedrohung
durch skrupellos mordende Terrororganisationen verklärt oder
idealisiert. Zum anderen zeigt der Film und sein großer Erfolg in
Israel, wie sehr sich dieser Staat doch von allen anderen Staaten in
der Region unterscheidet, in denen Verfolgung und Ermordung zu den
ständigen Gefahren von schwulen Männern und lesbischen Frauen
gehören. Dieser Film, und auch das macht ihn zu einem ganz
besonderen Glanzstück, hilft nicht nur, ein realistischeres Bild von
der Armee des Staates Israel zu bekommen, von den Menschen die in
ihr tätig sind, sondern in seiner Auswirkung auch, ein noch besseres
Bild von dem Leben von Schwulen und Lesben in Israel zu erhalten.
Auch wenn es vielleicht nicht das vordringlichste Ziel des
Filmemachers war, aber so ist dieser Film doch ein guter Beitrag zur
Aufklärung über Vorurteile und zur Gewährung eines Blickes auf
Israel – fernab von Klischees und verzerrender Darstellung.
Gleichzeitig ist dieser Film sicher auch für westliche Länder ein
gewisser Tabubrecher, thematisiert er doch ganz offen Homosexualität
in der Armee. Auch in Deutschland ist dies nach wie vor kompliziert
– Offiziere, die sich als schwul outen, laufen Gefahr vom Dienst
suspendiert zu werden, da ihnen ihre Qualifikation, als Autorität in
einer militärischen Struktur anerkannt zu werden, oftmals aufgrund
ihrer sexuellen Identität abgesprochen wird.
Lang erwartet:
Yossi und Jagger auf DVD / VHS
Regisseur Eytan Fox ("Walk on Water") setzt in
seinem israelischen Überraschungserfolg "Yossi & Jagger" ganz auf die natürliche
und unbeschwerte Schauspielkunst seiner beiden Hauptdarsteller und erzählt auf
einfühlsame und zugleich unterhaltsame Art vom Zusammentreffen zweier Liebenden
in der trügerischen Stille einer permanenten Kriegsbedrohung...
Interview mit Eytan Fox:
"Yossi
& Jagger"
Ein berührendes, und auch trauriges, Plädoyer für die
Liebe. Die Akteure sind junge Menschen, die sich in der brutalen
Realität des Libanon-Krieges wiederfinden...
Schwule Soldaten Schwule Juden:
Homosexualität in der israelischen Armee
In diesen Tagen sind sie oft zu sehen, ob in
der Zeitung oder im Fernsehen: junge Männer und Frauen der
israelischen Armee. In den Medien oft als Aggressoren und
Unterdrücker gegen Palästinenser gebrandmarkt, werden nur
selten die wahren Hintergründe ihres Einsatzes benannt...
Rezensionen:
Der Garten der toten Bäume
Avnis Buch führt in ein anderes Israel, abseits
der bekannten Orte, Wege und historischen Stätten. In dreizehn
Episoden schildert der junge israelische Autor Yossi Avni das
Leben eines Homosexuellen in Israel...
ta /
haGalil onLine 04-04-2006 |