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Christlicher Protest gegen schwulen
Botschafter in Israel:
"
eines Tages werdet ihr bedauern, dass ihr
so liberal gewesen seid!"
Seit 1989 gilt in Dänemark das Partnerschaftsrecht
für Homosexuelle. Carsten Damsgaard, der neu ernannte dänische
Botschafter in Israel, trat vor Kurzem seinen Dienst an und brachte
seinen Partner, Esben Karmak, mit.
In einem Interview mit der israelischen Tageszeitung
haArez erklärt Damsgaard: Es gibt vor dem Gesetz keinen Unterschied
zwischen verheirateten heterosexuellen oder verheirateten
gleichgeschlechtlichen Paaren. Sie haben die gleichen Rechte,
Letztere müssen sich nur im Standesamt trauen lassen. Esben lernte
ich 1993 kennen. Ich hatte bereits vor ihm längere Beziehungen mit
anderen Männern, doch niemals zuvor habe ich mich richtig gebunden.
Zum ersten Male habe ich gefühlt, dass diese Beziehung richtig ist.
Wir beide glaubten an diese Beziehung und wollten eine Verpflichtung
uns selbst und unserer Umwelt gegenüber eingehen. Wir wollten jedem
verständlich machen, dass es sich bei uns um eine ernsthafte
Partnerschaft handelt."
1994 gingen sie eine rechtliche Partnerschaft im
Kopenhagener Standesamt ein. Danach ließen sie sich als Paar im
Jahrbuch des dänischen Außenministeriums eintragen. Karmark hat alle
Rechte, die Partner des diplomatischen Personals zustehen, er hat
einen Diplomatenpass, auf ihren Einladungen ist auch sein Name
verzeichnet.
"Meine Lebensgewohnheiten richten sich nicht nach
meinem Schwulsein. Ich würde eher sagen, dass sich meine Lebensweise
nach der urbanen Kultur richtet als nach der schwulen Subkultur.
Mein Lebensgefährte und ich, wir haben in unserem Bekanntenkreis
viele heterosexuelle Freunde ohne Kinder, die genau wie wir leben.
Die Lebensgewohnheiten richten sich nicht nach der sexuellen
Orientierung. Sexualität kann keinen Menschen und sein kulturelles
Umfeld definieren. Sexualität ist nur ein Aspekt von vielen, die
einen Menschen ausmachen.
Es stimmt, ich habe mich in einen Mann verliebt, aber
das ist nur ein Teil meiner Persönlichkeit, einer von vielen
anderen. Manchmal verstehe ich nicht so ganz den Sinn einer
schwul-lesbischen Community. Ich gehe auf Menschen ein, nicht auf
ihre sexuelle Orientierung. Ich möchte klarstellen, dass ich nicht
als Repräsentant der Schwulen, sondern als Botschafter Dänemarks
nach Israel gekommen bin."
Damsgaard gilt als einer der wenigen offen schwulen
Botschafter auf der Welt. James Hormel, der erste offen schwule
US-Botschafter in Luxemburg, gilt als Wegbereiter einer noch nicht
abgeschlossenen Entwicklung in der diplomatischen Arena. 1999
stellte der australische Botschafter in Dänemark, Stefan Brady
seinen Partner, Peter Steven, in der Öffentlichkeit vor. Im
September 2001 nahm Michael Guest, seinen Dienst als US-Botschafter
in Rumänien auf.
James Hormel: "Es ist nicht Aufgabe eines
Botschafters, die Menschen zu erziehen, sondern sein Land so
treffend wie möglich zu repräsentieren. Wäre ich nach Israel gesandt
worden, hätte ich zuerst einmal in Erfahrung gebracht, wie das
kulturelle Klima in diesem Land aussieht, was sich letztlich auch
auf mein Handeln ausgewirkt hätte. Es gibt nun einmal eine Sache,
die nicht veränderbar ist, und das ist meine sexuelle Orientierung,
ein feststehendes Faktum. Ein homosexueller Botschafter hat die
Möglichkeit, durch anständige Repräsentation seines Landes, seine
Gegner für sich zu gewinnen und zu aufgeklärteren Menschen zu
machen."
Von israelischer Seite erfuhren Damsgaard und sein
Lebensgefährte jedenfalls keine Einwände gegen die Ernennung in
Israel. Der einzige Protest gegen seine Ankunft kam von Jony Noer,
einem dänischen Evangelisten, der in einer kleinen Caravansiedlung
in der Arava lebt. Bei seinem Aufenthalt in Dänemark im Sommer
organisierte er eine Demonstration, bei der sich nach Angaben des
BBC ungefähr 100 Evangelisten auf dem Israel-Platz im Norden
Kopenhagens versammelten um gegen Damsgaards Ernennung zu
protestierten. Gleichzeitig beteten sie für Israels Sieg über seine
Feinde und den Sieg des Christentums über den Islam, denn dann
wird, davon sind die Verkünder des Evangeliums überzeugt, die Zeit
kommen in der die Juden endlich vom Judentum ablassen und Jesus
Christus anerkennen werden.
Noer, der sich bereits acht Jahre in Israel aufhält,
sagt in einem Interview mit HAARETZ auf Englisch: "Wie kann man
jemanden für einen solch wichtigen Posten, der sich auf das Leben
vieler Menschen auswirkt, ernennen, der nicht nur Botschafter
Dänemarks, sondern auch Botschafter der Schwulen in Europa ist?
Hätte das Außenministerium einen solchen Menschen auch in ein
muslimisches Land entssandt, im Wissen, dass es nicht mit deren
Glauben vereinbar ist? Homosexualität widerspricht der Bibel."
Die Demonstration Noers, der Damsgaard und seinen
Partner das "Paar der Schande" nennt, fand kein Echo in den
dänischen Medien. In einem Interview mit HAARETZ reagiert: "Jeder,
der gegen diese Freiheit auf die Strasse geht, wird als
mittelalterlicher Mensch dargestellt. Aus unserer Perspektive sieht
das alles anders aus. Eines Tages werdet ihr alle es bedauern, dass
ihr so liberal gewesen seid. G'tt hat keine Schwulen erschaffen, er
erschuf Adam und Eva, Mann und Frau. Wenn Schwule um G'ttes Hilfe
ersuchen, sie von ihrer Zuneigung zu Männern zu befreien, wird er
ihnen helfen."
Bent Lexner, Oberrabbiner von Dänemark, ist stolz
darauf, dass Dänemark nicht davor zurückschreckt, einen
unkonventionellen Botschafter nach Israel zu entsenden: Das ist
keine Respektlosigkeit vor der jüdischen Religion, im Gegenteil, es
ist eine Anerkennung des hohen Niveaus des israelischen
Rechtsstaates."
Dänemarks neuer Botschafter in Israel:
In
Israel freundlich empfangen
In Israel sah niemand die Notwendigkeit, sich zur
Ernennung des neuen dänischen Botschafters in Israel offiziell zu
äußern, schon gar nicht dazu, dass er offen in einer schwulen
Beziehung lebt...
glbt-ta / haGalil
onLine 08-12-2003 |