Dänemarks neuer Botschafter in Israel:
In Israel freundlich empfangen

In Israel sah niemand die Notwendigkeit, sich zur Ernennung des neuen dänischen Botschafters in Israel offiziell zu äußern, schon gar nicht dazu, dass er in einer offen schwulen Beziehung lebt. Niemand empörte sich darüber, bis Jony Noer, ein christlicher Däne, der sich mit seiner Familie in einer Caravansiedlung in der Wüste bei Elat aufhält, in Kopenhagen Demonstrationen christlicher Fundamentalisten organisierte (http://www.noer.webbyen.dk und http://www.israelupdate.org), um gegen die Ernennung Carsten Damsgaards (47) zu protestieren.

Das Wochenendmagazin der israelischen Tageszeitung, Haaretz, berichtete am 03.10. über den Empfang des neuen dänischen Botschafters in Israel. In einem Interview mit dem offen schwulen Botschafter erzählte Karsten Damsgaard vom Empfang beim Staatspräsidenten Katzav, an dem auch sein Lebensgefährte, Esben Karmak, teilnahm: "Der Präsident verhielt sich mir und meinem Lebensgefährten gegenüber sehr höflich, warm und sympathisch."

Im April 2001 meinte Präsident Katzav im Gespräch mit HAARETZ: "Als ich zum ersten Mal vor 30 Jahren in San Francisco  gesehen habe wie sich ein homosexuelles Paar einen Zungenkuss gibt, hat mich das gestört. Seitdem rege ich mich nicht mehr darüber auf." Wenn Katzaw heute mit homosexuellen Familien über deren Wunsch nach Kindern spricht, meint er allerdings: "In diesem Falle sind meine Ansichten etwas strikter. Ein Kind braucht einen Vater und eine Mutter, um richtig heranwachsen zu können. Um ein Kind gebären zu können, muss man zwei sein."

Auf frühere homophobe Bemerkungen von Ezer Weizmann oder auch Moshe Katzav angesprochen, meinte Damsgaard: "Der Präsident verhielt sich mir und meinem Lebensgefährten gegenüber sehr höflich, warm und sympatisch. Natürlich gibt es so etwas wie Rede- und Meinungsfreiheit, aber es gibt auch eine Grenze des guten Geschmacks dafür, was man sagen kann oder nicht. In Dänemark spricht man nicht in derart negativer Weise über Homosexuelle. Zu Aussagen einiger ultrareligiöser Knessetabgeordneten werde ich mich nicht äußern. Ich denke, das ist ihr internes Problem. Ich bin mir dessen bewusst, dass die israelische Gesellschaft äußerst unterschiedlich ist, die dänische Gesellschaft ist da sehr viel homogener. Jeder, der Israel einmal besucht hat, weiß, dass sich Tel Aviv und Jerusalem sehr voneinander unterscheiden. Ich habe mich schon vorher in Israel aufgehalten und habe bisher keine negativen Erfahrungen gemacht."

"Ich kann mich überhaupt in meinem Leben an keinen Zeitpunkt erinnern, an dem ich schockiert war, weil mir bewusst wurde, dass ich schwul bin. So lange ich mich zurückerinnern kann, war ich diesbezüglich offen. Es geschah einfach. Ich hatte nie ein Coming Out, weil ich niemals ein verstecktes Dasein geführt habe, aus dem es auszubrechen galt."

Nach seinem Studium in Dänemark, Paris und New York trat er ins dänische Außenministerium ein: "Alle wussten Bescheid, aber ich stieß auf keine Probleme, denn im Laufe meiner ganzen Karriere als professioneller Diplomat gab es immer wichtigere Themen als meine sexuelle Orientierung. Als dänischer Botschafter nach Israel zu kommen ist für mich die Erfüllung eines Traumes. Viele Dänen haben einen emotionellen Bezug zum Nahostkonflikt. Unser Außenminister hat einmal gesagt, die Wurzeln der Dänen liegen in Jerusalem, Athen und Rom“.

Christlicher Protest gegen schwulen Botschafter in Israel:
"… eines Tages werdet ihr bedauern, dass ihr so liberal gewesen seid!"

Seit 1989 gilt in Dänemark das Partnerschaftsrecht für Homosexuelle. Carsten Damsgaard, der neu ernannte dänische Botschafter in Israel, trat vor Kurzem seinen Dienst an und brachte seinen Partner, Esben Karmak, mit...

glbt-ta / haGalil onLine 05-12-2003

 


DE-Titel
US-Titel

 
 
In 2003:

 


 glbt.israel-live.de