25.
Juli 2005 / Pressemitteilung
Bundesverband schwuler Führungskräfte
protestiert gegen die Registrierung sexueller Neigungen durch die
PolizeiDeutsche Polizei registriert sexuelle
Vorlieben:
Wer verkehrt verkehrt, findet sich in der Datei *omosex*
wieder
Köln/Frankfurt - Zählt Homosexualität
neuerdings wieder zu den verdächtigen Persönlichkeitseigenschaften?
Einem Beitrag des aktuellen 'Spiegel' zufolge setzt die Polizei in
einigen Bundesländern, darunter Bayern, Nordrhein-Westfalen und
Thüringen, eine Software ein, bei der alle in Straf- oder
Ermittlungsverfahren verwickelten Personen - Verdächtige, Täter,
Opfer und Zeugen - mit ihrer möglichen homosexuellen Orientierung
registriert werden können - und auch registriert werden.
"Wenn es nicht so skandalös wäre, könnte man über darüber lächeln,
dass der Begriff 'Verkehrssünder' offenbar ein ganz neue Bedeutung
bekommen hat.
Wir verwahren uns entschieden und mit aller Schärfe gegen die
Kriminalisierung von Homosexuellen", sagte Christoph Wolf, Vorstand
im Bundesverbandes schwuler Führungskräfte. "Es ist unerträglich,
dass über zehn Jahre nach Streichung des Paragraphen 175 Schwule
wieder systematisch in Listen erfasst und damit in ganz
offensichtlicher Weise diskriminiert werden."
Die Praxis war auch von prominenten Politikern und Datenschützern
kritisiert worden. So hält die nordrhein-westfälische
Datenschutzbeauftragte Bettina Sokol das Verfahren laut 'Spiegel'
für "höchst bedenklich". Angaben über die sexuelle Orientierung
gehörten zur Kategorie "besonders schützenswürdiger
personenbezogener Daten, die nur unter strengen Voraussetzungen
verarbeitet werden dürfen". Diese Voraussetzungen lägen nicht vor.
Volker Beck, Die Grünen, Bundestagsabgeordneter und bekennender
Schwuler, hat laut 'Spiegel' in einem Brief an die Innenminister von
Bayern und Thüringen bemängelt, diese Computerprogramme ließen
"ungute Erinnerungen an die alte polizeiliche Praxis der 'Rosa
Listen' wach werden". In der Nazi-Zeit hatte die Polizei in solchen
Listen Homosexuelle erfasst.
Das Vorgangs- und Verwaltungsprogramm namens IGVP, in dem
Verkehrsunfälle, Strafanzeigen, Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten
und Meldungen mit kompletten Datensätzen von Tätern, Geschädigten
und Tatzeugen erfasst werden, ermöglicht auch eine Klassifizierung
nach dem Merkmal "homosexuell". Nach Informationen des 'Spiegel'
haben Nordrhein-Westfalen und Bayern das Stichwort 'Aufenthaltsort
von Homosexuellen' inzwischen zwar sperren lassen, 'Homosexuelle'
als Tätergruppe bleibe aber nach wie vor gültig; Homosexualität ist
in Deutschland seit den 1994 nicht mehr strafbar, als der
'Schwulenparagraph 175' aus dem Strafgesetzbuch gestrichen worden
war.
Christoph Wolf: "Das verdeutlicht die Gesinnung, die hinter
derartigen Gepflogenheiten aufscheint. Für uns heißt das im
Klartext, dass es der Polizei gar nicht darum geht, Diskriminierung
abzubauen; vielmehr hält man sich mit der Praxis der Datenerfassung
ein 'Hintertürchen' offen, wenn das gesellschaftliche Klima einmal
wieder gegen Homosexuelle umschlagen sollte. Der Völklinger Kreis
fordert die Verantwortlichen in Politik und Behörden auf, konsequent
darauf zu drängen, dass die in dieser Software enthaltenen
'Schwulen-Module' entfernt werden beziehungsweise nicht mehr
eingesetzt werden. Dieser 'Verkehrssünder'-Paragraph ist ein
Skandal". Wolf appellierte insbesondere an die
Datenschutzbeauftragten der Länder, sich um rückhaltlose Aufklärung
der in dem jeweiligen Bundesland gepflegten Praxis zu bemühen und
sich für klare und unzweideutige Richtlinien in diesem Punkt
einzusetzen.
Ein Sprecher des Thüringer Innenministeriums äußerte sich
dahingehend, die beanstandete Rubrik sei nur eine unter 388, die zur
Kennzeichnung eines Täterprofils genutzt würden. Thüringen habe
keinesfalls die Absicht, ein entsprechendes Register anzulegen. Die
Thüringer Innenbehörde halte die Software für "historisch überholt"
und wolle sich bei der Herstellerfirma darum bemühen, dass sie
verändert werde. Der Verband lesbischer und schwuler
Polizeibediensteter geht davon aus, dass die Registrierung
Homosexueller auch in anderen Bundesländern Usus ist.
Der 1991 gegründete Völklinger Kreis
e.V. (VK) ist der Bundesverband schwuler Führungskräfte. Ihm gehören
bundesweit etwa 800 Mitglieder aus Wirtschaft, Wissenschaft,
öffentlichem Dienst und Kultur an, die vor allem in den Großstädten
arbeiten und leben.
Seit 2001 verleiht der VK den Max Spohr-Preis als schwulen
Management-Preis und würdigt damit Unternehmen, deren
Unternehmenskultur durch eine vorbildliche Toleranz geprägt wird. 'Diversity'
- Vielfalt - ist in derartigen Unternehmen als Chance erkannt und
ist Leitlinie unternehmerischen Denkens und Handelns.
Der VK setzt sich nicht nur für Gleichberechtigung und
Antidiskriminierung im beruflichen Umfeld ein, sondern engagiert
sich auch für einen fortgesetzten Wandel des
gesamtgesellschaftlichen Klimas.
Kontakt: Christoph Wolf; Völklinger Kreis e. V.
Bundesgeschäftsstelle; Brüderstr. 19; D-50667 Köln; Tel:
++49.221.5461979; Fax: ++49.221.9541757;
www.vk-online.de.
Present is rapidly catching up with fiction:
German police collects data on homosexuals
It has now become known that the software used by German police
departments has a category for tagging people or places as
"homosexual"...
Speicherung von Homosexuellen im IGVP:
"Rosa Listen"? - und kein Ende?
Die in Bayern, Thüringen
und Nordrhein-Westfalen eingesetzte Polizei-Software IGVP bietet umfangreiche
Speicherungsmöglichkeiten von Homosexuellen...
Konstruieren wir einen Fall:
Offener Brief
Ein Schwuler nimmt seine heterosexuellen Freunde mit in ein
Schwulencafé. Sie werden Zeuge einer Straftat. Der Sachbearbeiter
kann somit alle Zeugen mit der Schlüsselnr. 901 versehen...
ta /
haGalil onLine 09-10-2003 |