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Jüdisches Leben in München:
"Unglaublich bewegend"
Interview: Bernd Müller für
sergej-magazin.de im
Gespräch mit Fred Fischer

Foto: Horst Middelhoff,
forum-muenchen.de
Was
bedeutete die Eröffnung der neuen
Hauptsynagoge für die jüdischen Bürger in München?
Der 9. November wurde ganz bewusst als Eröffnungstag gewählt, um
darauf hinzuweisen, dass jüdisches Leben in Deutschland nicht nur
auf die Zeit zwischen 1933 und 1945 beschränkt wird. Für die
jüdischen Bürger und die Gemeindemitglieder bedeutet es, aus einem
mehr oder weniger versteckten Gebäude sichtbar in das Herz der Stadt
zurückzukehren.
Was bedeutet dir der Bau ganz persönlich?
Für mich persönlich, als jüdischen Münchner, ist es unglaublich
bewegend, 68 Jahre nach der so genannten Reichspogromnacht wieder
eine Synagoge in meiner Geburtsstadt entstehen zu sehen. Ich freue
mich, dass es möglich sein wird ab dem kommenden Jahr, alle
Gemeindeinstitutionen, inklusive des jüdischen Museums, die bislang
über das Stadtgebiet verstreut liegen, im neuen Gemeindezentrum
zusammenzufassen. Und das gesamte Areal wird, entgegen vieler
Befürchtungen, nicht „trist und bis an die Zähne bewacht“ werden.
Der Jakobsplatz soll wieder belebt und lebendig werden.
Werden schwule und lesbische Juden eine Chance haben, in
diese Gemeinde integriert zu werden?
Es gibt unter den rund 9.000 Mitgliedern der Kultusgemeinde
selbstverständlich auch einige schwul-lesbische Personen, die sich
leider innerhalb dieser orthodox-konservativ geprägten
Gemeinde-Gesellschaft nicht offen zu ihrer Homosexualität bekennen
können. Sie sind zwar integriert, aber eben nicht geoutet und
deshalb werden sie weiterhin, quasi inkognito, am Gemeindeleben
teilhaben. Der Rabbiner hat mir zwar versichert, dass Homosexualität
in der orthodoxen Synagoge keine Rolle spielen sollte. Aber leider
tut sie das und deshalb ist eine Integration offen homosexueller
Synagogenmitglieder in das Gemeindeleben bisher undenkbar.
Du selbst bist im Vorstand von Beth Shalom, der Liberalen
Jüdischen Gemeinde Münchens. Warum hast du dich für ein Engagement
dort entschieden?
Ich bin seit etwa 10 Jahren auch Mitglied der Liberalen Jüdischen
Gemeinde, weil es dort tatsächlich unerheblich ist, welche sexuelle
Orientierung die Gemeindemitglieder haben. Es ist einzig die
gemeinsame ethnische Zugehörigkeit und das Interesse an der
liberalen Ausrichtung des Judentums maßgebend. Der wichtigste
Beweggrund für meine, nunmehr einjährige Vorstandsarbeit ist, dass
ich mich dafür engagieren will, das liberal-religiöse Judentum
wieder in Deutschland zu etablieren. Ein weiteres Ziel ist ein
liberales jüdisches Gemeindezentrum. Zwar unterhält Beth Shalom
eigene Synagogen- und Gemeinderäume, doch sind diese für unsere
stetig wachsende Mitgliederzahl allmählich zu eng.
Mit welchen Problemen haben offen homosexuelle Juden und
Jüdinnen innerhalb der orthodoxen Gemeinde zu rechnen?
Mit den gleichen Problemen, mit denen sich offen homosexuelle
Personen aus anderen (Religions-) Gemeinschaften auseinandersetzen
müssen: Ablehnung, Ausgrenzung, Spott etc. Natürlich kann man
niemand verbieten, ein Gotteshaus zu besuchen. Auch keine orthodoxe
Synagoge und deshalb wird man homosexuellen Personen den Zugang
nicht verwehren dürfen. Im Allgemeinen jedoch, ziehen es schwule
Juden und lesbische Jüdinnen vor, ihrer Religion in einem
entspannteren Umfeld nachzugehen.
Gibt es Hinweise auf eine Lockerung der anti-homosexuellen
Positionen der Orthodoxen?
Die gibt es bislang eigentlich nicht und ich denke, da verhält es
sich wie in der katholischen Kirche. Mir persönlich ist nur ein
einziger, offen schwuler und orthodoxer, Rabbiner in den USA
bekannt. Aber er ist die ganz große Ausnahme. In Deutschland und
überhaupt, wird es sicherlich noch geraume Zeit dauern, bis sich die
Orthodoxie in dieser Hinsicht lockert. In der liberalen
Religionsausrichtung werden auch homosexuelle Rabbiner und sogar
Rabbinerinnen akzeptiert, Frauen und Männer sind religiös
gleichgestellt. Das ist für die Orthodoxie tabu.
Wirst du das Zentrum am St. Jakobsplatz besuchen, wird es
für dich sogar ein Stück Heimat werden können?
Ich werde sicherlich nach der offiziellen Eröffnung mal an einem
Festakt oder Gottesdienst im neuen Gemeindezentrum bzw. der neuen
Hauptsynagoge teilnehmen. Meine religiöse Heimat ist und bleibt für
mich jedoch die liberale jüdische Gemeinde und ich werde mein ganzes
Engagement dafür aufwenden.
Interview: Bernd Müller für
sergej-magazin.de im
Gespräch mit Fred Fischer
Weiter:
Ein Gespräch mit Fred Fischer (Vorstand) über die
schwul-lesbische Vereinigung "Yachad"
und jüdisches Leben in Deutschland. |
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ta /
haGalil onLine 22-01-2007 |
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