Künstlerischer Wettbewerb:
Gestaltung eines Gedenkorts für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen

Auf der Website http://www.gedenkort.de werden Künstlerinnen und Künstler sowie andere Interessierte aufgerufen, sich für die Teilnahme am künstlerischen Wettbewerb zu bewerben.

Für die Gestaltung des Ortes wird ein zweistufiger Kunstwettbewerb mit bis zu 30 Künstlerinnen und Künstlern ausgelobt.

1. Stufe: Von den Bewerberinnen und Bewerbern wird eine kurz gefasste Konzeptbeschreibung oder eine erste Ideenskizze für den Gedenkort erwartet.
Es werden auch per e-mail eingereichte Bewerbungen berücksichtigt (pdf). Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 31. Januar 2005. Weitere Informationen auch per e-Mail:
bewerbungen@gedenkort.de.

2. Stufe: Aus den Bewerbungen werden die eigentlichen Kandidaten ausgewählt, die am Wettbewerb teilnehmen, der im April 2005 mit einem Kolloquium beginnt und zum Jahreswechsel 2005 / 2006 entschieden werden soll.

Das Wettbewerbsverfahren wird vom Land Berlin im Auftrag des Bundes und in Abstimmung mit der Initiative "Der homosexuellen NS-Opfer gedenken" und dem Lesben- und Schwulenverband (LSVD) als den Initiatoren durchgeführt. Die Initiative "Der homosexuellen NS-Opfer gedenken" und der LSVD werden einen Teil der zum Wettbewerb einzuladenden Künstlerinnen und Künstler über ein offenes Bewerbungsverfahren auswählen. Das soll gewährleisten, dass ein möglichst breites künstlerisches Spektrum angesprochen wird.

Der geplante Gedenkort wird in Berlin-Mitte am südöstlichen Rande des Tiergartens entstehen - gegenüber dem geplanten Denkmal für die ermordeten Juden Europas.

In der Kunst ist das sensible Thema erst in den letzten Jahren vereinzelt für den Stadtraum bearbeitet worden, obwohl Schwule und Lesben immer wieder schweren Verfolgungen ausgesetzt waren. Einen Höhepunkt erreichte die Verfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus.

Nach der Machtübernahme durch die NSDAP wurden die Organisationen der homosexuellen Bürgerrechtsbewegung von den Nationalsozialisten zerschlagen, Publikationen der Schwulen- und Lesbenorganisationen verboten.
Das in Berlin ansässige Institut für Sexualwissenschaften des Dr. Magnus Hirschfeld wurde von der SA gestürmt und geplündert.

Die Nationalsozialisten haben 1935 die totale Kriminalisierung männlicher Homosexualität angeordnet. Dafür wurde der § 175 des Reichsstrafgesetzbuchs in der Tatbestandsfassung radikal entgrenzt und im Strafmaß massiv verschärft. Die erheblich verschärfte Rechtsprechung stellte sich bereitwillig in den Dienst, zugunsten eines nach NS- Verständnis "gesunden Volkskörpers" die Ausbreitung der "Seuche" Homosexualität zu verhindern. Zwischen 1935 und 1945 wurden ca. 50.000 Verurteilungen nach §§ 175 und 175a Nr. 4 RStGB ausgesprochen. Tausende Schwule kamen wegen ihrer Homosexualität ins Konzentrationslager, wo sie zumeist den "Rosa Winkel" tragen mussten. Nur die wenigsten überlebten die Lager. Auch waren Homosexuelle weiteren Verfolgungsmaßnahmen ausgesetzt, dazu zählen Zwangskastrationen und medizinische Experimente.
Die Jahre der NS-Herrschaft bedeuteten für die Gesamtheit der Homosexuellen ein Leben in erzwungener Selbstverleugnung, in steter Gefahr und Angst vor der Entdeckung.

Sowohl in der Bundesrepublik Deutschland als auch in der DDR wurden Menschen auch nach 1949 wegen einvernehmlicher gleichgeschlechtlicher Beziehungen unter Erwachsenen strafrechtlich verfolgt. In der Bundesrepublik blieb der § 175 StGB bis 1969 unverändert in Kraft.
Mit dem zu errichtenden Gedenkort will die Bundesrepublik Deutschland nach dem Beschluss des Bundestages vom 12. Dezember 2003
- "die verfolgten und ermordeten Opfer ehren,
- die Erinnerung an das Unrecht wachhalten,
- ein beständiges Zeichen gegen Intoleranz, Feindseligkeit und Ausgrenzung gegenüber Schwulen und Lesben setzen."

Magnus-Hirschfeld-Stiftung gescheitert:
Homogurke für Rot-Grün
Ein früher selbst gefordertes, sinnvolles Projekt wird abgelehnt, angeblich aus finanziellen Gründen. Das ist, erst recht angesichts des Themas, skandalös. Eine kollektive Entschädigung für NS-Opfer darf nicht daran scheitern, nicht am Geld und erst recht nicht an Politikereitelkeiten...

Per scientiam ad justitiam:
Magnus Hirschfeld

Als Sohn eines jüdischen Sanitätsarztes wurde Magnus Hirschfeld am 14.05.1868 in Kolberg/Pommern geboren. Nach seinem Studium der Philosophie, Philologie und Medizin ließ er sich 1893 als Arzt in Magdeburg nieder. Ab 1895 lebte er in Berlin und gründete dort zwei Jahre später das »Wissenschaftlich-humanitäre Komitee «. Hirschfeld trat seither massiv für eine Reform des Paragraphen 175 (StGB) ein...

Im Sexualwissenschaftlichen Institut:
Leitgedanken und Sinnsprüche

Die Nächstenliebe fordert die Liebe des Nächsten zu achten...

Razzien, Verbote und Verhaftungen:
Hirschfelds Institut demoliert und zerstört

Ein zuverlässiger Augen- und Ohrenzeuge, der, ohne selbst dem Institut anzugehören, die Vorgänge genau verfolgen konnte, hat über die ungeheuerliche Zerstörung dieser weltbekannten wissenschaftlichen Forschungs-, Lehr- und Heilstätte in Berlin ein Protokoll aufgenommen...

Lebenswerk zerstört:
Aus einem Brief des Verlegers A. Brand
Bei der Vernichtung der Schriften von Dr. Magnus Hirschfeld waren überwiegend antisemitische Tendenzen und Vorurteile entscheidend, die weniger den homosexuellen Vorkämpfer, als den homosexuellen Juden treffen wollten...

 

Homosexualität in der NS-Zeit:
Dokumente einer Diskriminierung und Verfolgung
Mit den hier vorgelegten Dokumenten werden Quellen zur Anti-Homosexuellenpolitik im Nationalsozialismus publiziert...

"Suprema lex salus populi!"
Gemeinnutz vor Eigennutz!

Begründungen des NS-Staats zur Strafwürdigkeit der Homosexualität...

Schaltstelle Reichshauptstadt:
Reichszentrale zur Bekämpfung von Abtreibung und Homosexualität

Ein immer straffer arbeitender Informationsweg von der zentralen Verfolgungsbehörde bis zu den unteren Dienststellen erhöhte die Verhaftungszahlen von Homosexuellen gegen Ende der 30er Jahre.

Der Rassegedanke:
Grundpfeiler der NS-Weltanschauung
»Ob das Volk für eine Ausscheidung des Minderwertigen durch Tötung bereits Verständnis aufzubringen vermag, mag dahingestellt bleiben, sicher aber begrüßt es heute zumindest die Ausrottung des Sittlichkeitsverbrechers und damit die Verhütung einer asozialen Nachkommenschaft. Der rassischen Aufartung aber hat das gesamte Recht zu dienen.«

Nazis unter sich:
Kastration als Instrument repressiver Politik

Brief Dr. Rodenberg, SS-Sturmbannführer, z. Zt. im Reichssicherheitshauptamt, an RJM, Ministerialrat Rietzsch...

"Einsam war ich nie":
Schwule unter dem Hakenkreuz

Als '175er' wird Friedrich-Paul von Groszheim von den Nationalsozialisten verfolgt, landet zweimal im Gefängnis und schließlich im Konzentrationslager. 'Freiwillig' muss er in dieser Zeit eine Kastration an sich vornehmen lassen. Trotz aller Widrigkeiten leugnet er niemals seine Homosexualität und genießt die schwule Szene der Goldenen Zwanziger ebenso wie die nach 1969...

Die NS-Verfolgung der Homosexuellen in Wien 1938-45:
Aus dem Leben

Die ursprüngliche von Hannes Sulzenbacher und Niko Wahl kuratierte Ausstellung zeigte die NS-Verfolgung anhand von offiziellen und privaten Dokumenten, die auf und in 14 rosa Säulen präsentiert wurden...

kurz vorgestellt:
das forum homosexualität & geschichte münchen e.v.

Das forum will die Forschung zu Alltag, Kultur, und Geschichte homosexueller Männer und Frauen fördern. Das Erzählcafé bietet einen Treffpunkt für alle, die erfahren wollen, wie Schwule und Lesben in München gelebt und das gesellschaftliche Leben dieser Stadt mitgestaltet haben...

Fortdauernde Diskriminierung:
Homosexuelle bis heute nicht als NS-Verfolgte anerkannt
Am 15. Mai 1897 entstand in Berlin mit der Gründung des "Wissenschaftlich-Humanitären Komitees" durch Magnus Hirschfeld die weltweit erste Homosexuellenorganisation, die in den "goldenen zwanziger Jahren" bereits 40.000 Mitglieder zählte...

Offene Rechnung in der Geschichte:
Homosexuelle Opfer des Nazi-Regimes

Historiker gehen von etwa 50.000 homosexuellen NS-Opfern aus. Geschätzt wird, dass 5.000 davon aus Berlin waren. 1945 erlebten sie die Befreiung vom Faschismus, nicht aber die Befreiung vom NS-Recht...

Psychiater als Handlanger des Terrors:
Homosexuelle als NS-Staatsfeinde

Bis Mitte der Dreißigerjahre galt Homosexualität in Deutschland als Krankheit; schwuler Sex wurde nur auf Antrag verfolgt. Das NS-Regime verschärfte den Paragrafen 175...

Grundzüge der NS-Politik gegen Homosexuelle:
Ziele, Methoden und Tätergruppen

Unter den Opfern der NS-Diktatur nehmen Homosexuelle einen besonderen Platz ein: Im Unterschied zu anderen von den Nazis zu Hauptfeinden erklärten Bevölkerungsgruppen wurden sie schon vor 1933 verfolgt. Auch nach 1945 wurden verfolgte Homosexuelle nicht als Opfer anerkannt, sondern häufig weiter kriminalisiert...

'Das sind Volksfeinde!'
Die Verfolgung von Homosexuellen an Rhein und Ruhr
Diskriminierung und Ausgrenzung von Homosexuellen sind keine spezifischen Erscheinungen des Nationalsozialismus. Die Maßnahmen gegen Homosexuelle erreichten im Dritten Reich aber eine zuvor nicht gekannte Verschärfung...

Nachrichten:
Kurzmeldungen von Yachad
Der frühere italienische Polizeipräsident der Adriastadt Fiume, Giovanni Palatucci, der zwischen 1937 und 1944 rund 7.000 Juden das Leben rettete, dürfte demnächst selig gesprochen werden...

Totgeschlagen, totgeschwiegen:
Auch in Österreich ohne Entschädigung
Die Situation homosexueller Personen unterscheidet sich von den meisten anderen Opfergruppen insofern, weil Homosexuelle sowohl vor wie nach dem Nationalsozialismus strafrechtlich verfolgt wurden...

ta / haGalil onLine 09-10-2003

 


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In 2003:

 


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