Mohamed und die Sünde von Sodom:
Islam und Homosexualität

Junge Männer türkischer/kurdischer Herkunft werden in Deutschland nach wie vor als fremdländisch angesehen, kennen aber die Türkei oft nur noch als Urlaubsland. Auf dieses Situation reagieren sie mit Überanpassung, Überbetonung der nationalen Herkunft oder eine souveräne Haltung des "Die Deutschen wollen mich nicht, zu den Türken gehöre ich nicht: Ich mach mein eigenes Ding".

Schwule Männer und Jugendliche aus muslimischen Migrantenfamilien stecken zudem in einem doppelten Dilemma : In der Schwulenszene gelten sie oft genug als Exoten, als Fremde, auf jeden Fall gehören sie nur selten zum Alltag in der Gay Community. Für ihre besondere Situationen als Migranten mit türkischem, arabischem und iranischem Hintergrund interessieren sich deutsche Schwule aber nur selten. Von ihrer Herkunftsfamilie und -gemeinschaft werden sie wegen ihrer sexuellen Orientierung zumeist ausgegrenzt, wenn diese überhaupt davon erfahren darf. Und wie stehen sie in ihren Cliquen, unter ihren gleichaltrigen Freunden da?

Das vorliegende Buch will das Bewusstsein für die besondere Situation schwuler Männer aus muslimischen Migrantenfamilien in Deutschland schärfen und Anstöße für eine Diskussion liefern. Es gibt einen Überblick über die Lage in einigen Kernländern des Islam, einen Einblick in die Arbeit schwullesbischer MigrantInnen-Gruppen aus der Türkei und eröffnet einen schwulen Blick auf den Koran.

Rezension der Amazon.de-Redaktion (Martin Kilgus): Über 3,5 Millionen Muslime leben in Deutschland. Der Islam ist nach katholischem und evangelischem Christentum die drittstärkste Religionsgemeinschaft im deutschsprachigen Europa.

Auch in der schwulen Community spielen Muslime einer immer stärkere Rolle. Ihre Situation, ihre Probleme, ihre Integration blieben bislang jedoch in der Diskussion zur Homosexualität in unserer Gesellschaft ebenso unbetrachtet wie im öffentlichen Diskurs über Minderheiten oder Zuwanderer. Parallel dazu haben sich schwule Muslime in Deutschland in Gruppen wie Türkgay oder Miles ein Sprachrohr geschaffen.

Der Tagungsbericht Islam und Homosexualität, hervorgegangen aus einer Tagung der Akademie Waldschlösschen im Jahr 2002, bietet hier exzellente Grundlagen zur weiteren Debatte. Allerdings sei eine Einschränkung gleich hervorgehoben: Islam und Homosexualität ist kein Ratgeber für Betroffene. Es gibt weder Listen mit Beratungsstellen und Infoadressen noch einen Serviceteil oder ein umfassendes Literaturverzeichnis. Der Text aller Beiträge des Bandes ist rein wissenschaftlich.

Renate Dietrich liefert in ihrem Aufsatz zum "Verhältnis von Staat und Religion in der Türkei und im Iran" eine generell gute Einführung zur Geschichte des Islam. Andreas Ismail Mohr reflektiert ausgezeichnet in "Das Volk Lots und die Jünglinge des Paradieses" theologische Fragestellungen zur Homosexualität in den Geschichten der Bibel und des Korans. Ali Mahdjoubi betrachtet Homosexualität in islamischen Ländern am Beispiel Iran.
Deutlich schwächer kommen die Analysen zur Lage der Homosexuellen in der Türkei und zu schwulen Türken in Deutschland daher. Auch die Ausführungen zu Lebensstilen und zur Selbstorganisation von muslimischen Homosexuellen in Deutschland sind überholt.

Der Tagungsbericht Islam und Homosexualität bietet eine sehr gute Einführung in den Hintergrund der Fragestellung. Die Übertragung islamwissenschaftlicher Erörterungen auf das schwule Leben in Deutschland ist nicht gelungen. Von daher bleibt der kleine Band wissenschaftlich interessierten Lesern vorbehalten. Wer Hilfe sucht, hat dagegen das falsche Produkt erwischt.

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glbt-ta / haGalil onLine 22-12-2003

 


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In 2003:

 


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